Lambrusco-Sommer 2011 | Interview mit Merum

Der Lambrusco-Sommer 2011 ist in aller Munde – hier ein Interview mit Lutz Heimrich im Rahmen der ProWein 2011 in Düsseldorf, über den heimlichen Star des Sommers, den Lambrusco.

Merum: „Wenige Weine polarisieren wie der Lambrusco. Von vielen geschmäht, findet der prickelnde Spaßmacher aus der Emilia jedoch in seiner höchsten Qualität eine immer größer werdende Fangemeinde. Die trocken ausgebauten Lambrusco waren lange Zeit nördlich der Alpen unbekannt; mittlerweile weiß ein kleiner, aber feiner Kreis, dass man mit Lambrusco durchaus tolle Weinmomente erleben kann.“

Die Wirtschaft scheint sich langsam wieder zu erholen. Wird davon auch der Fachhandel profitieren können?

Lutz Heimrich: „Grundsätzlich ja, wobei wir zwischen stationär und online unterscheiden müssen. Der stationäre Handel muss kreativ und innovativ sein, um davon zu profitieren. Der Online-Handel wird nur dann überproportional profitieren, wenn er Produkt, Qualität und Logistik auf die Wünsche der anspruchsvollen Klientel ausrichtet. Und dann bleibt das Wachstum zweistellig. Zukünftig sehe ich eine Konzentration auf die rund zehn Großen, alle anderen Online-Anbieter im Nebenjob werden auf Dauer keinen Erfolg haben. Der Kunde will heute bestellen und die Ware morgen haben, das können viele kleine Händler nicht bieten, da sie nicht komplett auf diese Schiene fokussiert sind.“

Was erhoffen Sie sich von der ProWein 2011?

Lutz Heimrich: „Nicht viel, da hier nur die größten Winzer aus Italien präsent sind, die man bereits kennt. Die Messe ist in der Regel nur für die Vertiefung bestehender Kontakte gut, und wir sind in der Regel nur für einen Tag in Düsseldorf.“

Italien kann einige originelle Weine anbieten, die vielleicht „gewöhnungsbedürftig“, also alles andere als mehrheitsfähig sind, aber zweifellos Leben in ein Weinangebot bringen. Wie sind die Begriffe „mehrheitsfähig“ und „gewöhnungsbedürftig“ für Sie belegt?

Lutz Heimrich: „‚Mehrheitsfähig’ sind die leider immer süßer werdenden Rotweine aus Übersee, Süditalien und Spanien, meist aus internationalen Rebsorten, mit wenig Tannin, schöner Kirschfrucht‚ und Alkoholgraden jenseits der 13,5°, aber auch die Klassiker aus den Urlaubsgebieten (Valpolicella, Bardolino, Lugana, Lagrein, Sangiovese(-Cuvées), Primitivo u.a.). ,Gewöhnungsbedürftig’‚ sind Qualitäten wie trockener Lambrusco, Raboso, Aglianico, Bonarda, Freisa, Favorita, Malvasia, Ribolla Gialla … Weine abseits des Mainstreams und leider abseits der gängigen Weinkarten in der Gastronomie. Wie soll sich demnach ein Kunde an diese so anderen‚ aber interessanten Eindrücke gewöhnen?“

Führen Sie Lambrusco in Ihrem Angebot? Welchen?

Lutz Heimrich: „Ja, ganzjährig, im Sommer bis zu zehn Sorten, Medici Ermete, Cavicchioli und zukünftig auch Ceci und/oder Chiarli.“

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Lambrusco zu verkaufen?

Lutz Heimrich: „Nach Verkostungen bei Kollegen, Winzern und auch über die jahrelange Arbeit in Merum.“

Sind Sie mit dem Lambrusco-Geschäft zufrieden?

Lutz Heimrich: „Wir erkennen eine große Nachfrage, insbesondere bei trocken ausgebauten Qualitäten, wenngleich auch ‚amabile’ oder ‚dolce’ nach wie vor eine stabile Fangemeinde haben.“

Was tun Sie, um Ihrer Kundschaft den Lambrusco schmackhaft zu machen?

Lutz Heimrich: „Wir listen ihn einfach, beschreiben ihn treffend. Verkostungen lassen sich online ja leider noch nicht durchführen.“

Gibt es eine typische „Lambrusco-Kundschaft“?

Lutz Heimrich: „Ja, sie ist einmal saisonal bedingt wachsend (Terrassenwein), zum anderen gibt es einen harten Kern, der auch in der dunklen Jahreszeit ordert. Wir haben letztes Jahr rund 4500 Flaschen versandt. Das macht 1,5 Prozent unseres Gesamtabsatzes aus.“

Glauben Sie, dass Lambrusco ein Sommertrend werden könnte?

Lutz Heimrich: „Auf jeden Fall wird er weiter zulegen, so wie auch guter Rosato weiter gewinnt.“

Wieso folgen wohl nicht mehr Händler Ihrem Beispiel und bieten Lambrusco an?

Lutz Heimrich: „Unwissenheit? Ignoranz? Sicher auch, weil die kleineren Händler auf Importeursware angewiesen sind. Keiner der großen Importeure bietet wirklich interessante Lambrusco an, wenn sie sie überhaupt listen.“

MERUM | Lambrusco im Trend? Interviews mit Weinhändlern zur ProWein 2011

Der Qualitäts-Lambrusco | Eine rasch wachsende Nische

Wenige Weine polarisieren wie der Lambrusco. Von vielen geschmäht, findet der prickelnde Spaßmacher aus der Emilia jedoch in seiner höchsten Qualität eine immer größer werdende Fangemeinde. Die trocken ausgebauten Lambrusco waren lange Zeit nördlich der Alpen unbekannt; mittlerweile weiß ein kleiner, aber feiner Kreis, dass man mit Lambrusco durchaus tolle Weinmomente erleben kann. Es bleibt jedoch das schlechte Image der 1,5-Liter-Discountpulle für 2,49 Euro, das vielen Händler den Mut nimmt, guten Lambrusco verstärkt zu fördern oder überhaupt ins Programm zu nehmen. Was Händler in Deutschland und der Schweiz vom Lambrusco halten und ob sie ihn lieber selbst trinken als ihn zu verkaufen, erfahren Sie in den folgenden Interviews von Raffaella Usai und Andreas März.

Die Wirtschaft scheint sich langsam wieder zu erholen. Wird davon auch der Fachhandel profitieren können?

Martin Kössler: „Ja, wir spüren es bereits.“

René Sorrentino: „Ja. Der Fachhandel hat sich schon im Jahr 2010 sehr gut geschlagen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Marktbereinigungen, die Anfang der 2000er-Jahre stattgefunden haben, einen stärkeren Fachhandel hinterlassen haben, als allgemein vermutet wird.“

Lutz Heimrich: „Grundsätzlich ja, wobei wir zwischen stationär und online unterscheiden müssen. Der stationäre Handel muss kreativ und innovativ sein, um davon zu profitieren. Der Online-Handel wird nur dann überproportional profitieren, wenn er Produkt, Qualität und Logistik auf die Wünsche der anspruchsvollen Klientel ausrichtet. Und dann bleibt das Wachstum zweistellig. Zukünftig sehe ich eine Konzentration auf die rund zehn Großen, alle anderen Online-Anbieter im Nebenjob werden auf Dauer keinen Erfolg haben. Der Kunde will heute bestellen und die Ware morgen haben, das können viele kleine Händler nicht bieten, da sie nicht komplett auf diese Schiene fokussiert sind.“

Gerd Rindchen: „Vielleicht, aber ganz sicher bin ich mir nicht: Generell ist die Bedeutung des Fachhandels ja eher weiter rückläufig, so dass ich eher von einer Konsolidierung auf niedrigem Niveau ausgehe.“

Hans-J. Müller: „Ich denke schon, denn langfristig werden auch die Verbraucher von der Geiz-ist-Geil-Mentalität abkommen und lieber in Qualität investieren.“

Bodo Bremer: „Unwesentlich.“

Renate Freund: „Davon sind wir bei Weinkontor fest überzeugt. Die Leute werden wieder mehr essen gehen, und das bedeutet, dass die Gastronomie wieder stärker Wein nachfragen wird.“

Stephan Pellegrini: „Ich bin da sehr vorsichtig, denn viele Verbraucher haben sich schnell an das sehr niedrige Preisniveau gewöhnt und werden nur schwer dazu bereit sein, plötzlich wieder mehr für eine Flasche Wein oder eine Flasche Öl zu bezahlen. Hinzu kommt, dass viele Verbraucher gar nicht einschätzen können, ob ein Produkt gut oder weniger gut ist. Ich bin also eher skeptisch. Der Fachhandel muss neue Wege gehen, Qualität ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Vielleicht müssen wir alle unsere Endverbraucher wieder etwas näher an die landwirtschaftliche Produktion heranführen, damit kein Mensch mehr auf die Idee kommt, dass ein Liter Milch 0,59 Euro kostet oder kosten darf, eine Flasche Wein 1,49, ein Liter Olivenöl 5,99 oder ein Kilo Fleisch 3,50 Euro.“

Nicola Mattana: „Ich hoffe es von ganzem Herzen.“

Ueli Schiess: „Das tut er bereits, und Geiz ist glücklicherweise nicht mehr so geil. Wir stellen wieder lustvollere Bestellungen fest, wobei wir eigentlich nicht so sehr gelitten haben.“

Was erhoffen Sie sich von der ProWein 2011?

Martin Kössler: „Einen Überblick über den Jahrgang und ein paar wenige, neue Impulse: neue Regionen, alte Rebsorten, vergessene Weine … wie beispielsweise den Lambrusco.“

René Sorrentino: „Wir sehen die ProWein vor allem als Service für unsere Kunden. Neue Jahrgänge probieren, über Neu­listungen sprechen, aber vor allem sich persönlich sehen und die menschlichen Beziehungen vertiefen. Wir erhoffen uns, dass der positive Trend weiter anhält.“

Lutz Heimrich: „Nicht viel, da hier nur die größten Winzer aus Italien präsent sind, die man bereits kennt. Die Messe ist in der Regel nur für die Vertiefung bestehender Kontakte gut, und wir sind in der Regel nur für einen Tag in Düsseldorf.“

Gerd Rindchen: „Wie jedes Jahr: Spannende Neuentdeckungen! Im Weißweinbereich gibts einen schwierigen Jahrgang 2010 in Deutschland und Österreich. Insofern werden wir da unser Augenmerk auf Weißweinalternativen aus anderen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Übersee richten.“

Hans-J. Müller: „Nichts.“

Bodo Bremer: „Neue Jahrgänge kennenlernen – vielleicht auch neue Weine – und Winzer kontakten. Für uns ist die Vinitaly jedoch viel wichtiger.“

Renate Freund: „Gute Abschlüsse und vor allen Dingen neue Kunden.“

Stephan Pellegrini: „Wir arbeiten ohne Handelsagenturen und ohne den klassischen Außendienst, und so ist die ProWein für uns und unsere Kunden eine tolle Gelegenheit, mit uns und vor allem mit den vielen anwesenden Winzern zu sprechen. Bei uns steht das persönliche Gespräch auf der ProWein immer im Vordergrund.“

Nicola Mattana: „Nichts, denn ich gehe schon seit Jahren nicht mehr hin, da es für mich zeitlich zu nah an der Vinitaly liegt.“

Ueli Schiess: „Einmal mehr werde ich nicht hingehen, da ich alle unsere Produzenten an der Vinitaly sehe und uns Verona im Frühjahr doch besser gefällt als Düsseldorf im Winter.“

Italien kann einige originelle Weine anbieten, die vielleicht „gewöhnungsbedürftig“, also alles andere als mehrheitsfähig sind, aber zweifellos Leben in ein Weinangebot bringen. Wie sind die Begriffe „mehrheitsfähig“ und „gewöhnungsbedürftig“ für Sie belegt?

Martin Kössler: „Negativ. Beide. Wobei ich sie gezielt in dieser Bedeutung benutze.“

René Sorrentino: „Mehrheitsfähig sind für mich Weine, die nicht zu sehr polarisieren. Die Weine, die sowohl der ‚geübte’ als auch der ‚neue’ Weintrinker auf Anhieb gut findet. Wenig Ecken und Kanten. Ich stehe aber solchen Weinen positiv gegenüber, denn nur weil sie mehrheitsfähig sind, sind sie nicht schlecht. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem das, was man nicht kennt, oder auch das, was allgemein verpönt ist. Es ist natürlich einfacher, der Mehrheit zuzustimmen. Meistens werden jedoch die ‚Gewöhnungsbedürftigen’ mehrheitsfähig, wenn Meinungsmacher sich ihrer annehmen.“

Lutz Heimrich: „‚Mehrheitsfähig’ sind die leider immer süßer werdenden Rotweine aus Übersee, Süditalien und Spanien, meist aus internationalen Rebsorten, mit wenig Tannin, schöner Kirschfrucht‚ und Alkoholgraden jenseits der 13,5°, aber auch die Klassiker aus den Urlaubsgebieten (Valpolicella, Bardolino, Lugana, Lagrein, Sangiovese(-Cuvées), Primitivo u.a.). ,Gewöhnungsbedürftig’‚ sind Qualitäten wie trockener Lambrusco, Raboso, Aglianico, Bonarda, Freisa, Favorita, Malvasia, Ribolla Gialla … Weine abseits des Mainstreams und leider abseits der gängigen Weinkarten in der Gastronomie. Wie soll sich demnach ein Kunde an diese so anderen‚ aber interessanten Eindrücke gewöhnen?“

Gerd Rindchen: „Wer Eiskunstlaufweltmeister werden will, muss die Pflicht und die Kür beherrschen. Wenn man im Pflichtteil (mehrheitsfähig) für ein erfolgreiches und halbwegs profitables Sortiment sorgt, kann man sich im Kürbereich (gewöhnungsbedürftig) zur Belohnung ein paar erklärungsbedürftige und schwer zu vermittelnde Langsamdreher leisten. Das ist dann des betagten Weinhändlers kleine Hobbythek.“

Hans-J. Müller: „Mehrheitsfähig sind die ‚hochgezüchteten’ Weine namhafter Weingüter, die sich leicht über die Etiketten und Erwähnungen in diversen Weinbibeln verkaufen lassen. Gewöhnungsbedürftig sind die Weine, die nicht den typischen Massengeschmack durch Zugabe internationaler Rebsorten auf Anhieb treffen, aber durchaus gleichwertig sind.“

Bodo Bremer: „Mehrheitsfähig sind langweilige Mainstreamweine, die sich gut verkaufen lassen. Gewöhnungsbedürftig hat für mich zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen: Zum einen definiert es einen Wein, den man subjektiv nicht mag, obwohl man eigentlich nichts gegen die Qualität des Weines sagen kann. Zum anderen beschreibt es Nischenprodukte, die die Weinwelt bunter machen und die nicht fehlen dürfen.“

Renate Freund: „Mehrheitsfähig sind für mich Weine, die eine moderate Säure haben und kein übermäßiges Tannin. Für mich sind tanninreiche Weine mit viel Alkohol gewöhnungsbedürftig.“

Stephan Pellegrini: „‚Gewöhnungsbedürftig’ ist im deutschen Sprachgebrauch sehr negativ konnotiert, es bedeutet nämlich, dass es eine unangenehme Sache ist, die man nicht verhindern kann und die irgendwann sozusagen zwangsweise akzeptiert wird. Dieser Begriff ist in der Kommunikation also eher zu vermeiden. ‚Mehrheitsfähig’ hat einen politischen Touch, wenn also zwei Parteien eine Regierung bilden, dann sind sie eventuell mehrheitsfähig. Für einen Wein oder eine Region halte ich das nicht für geeignet. Generell muss man anmerken, dass die Sortimente bei vielen Fachhändlern derzeit schrumpfen, da sich immer mehr endlich mal Gedanken um die Wirtschaftlichkeit ihres Geschäftes machen. Wie kann man ein Sortiment von 500 oder 600 Artikeln wirtschaftlich führen, wenn man im ganzen Jahr 25 000 Flaschen verkauft? Ein Bonarda vivace aus der Lombardei ist im Sommerurlaub in Ligurien am Meer eine tolle Sache, aber in Hannover bei 12 Grad und Nieselregen und ohne Essensbegleitung eher ein Stimmungskiller.“

Nicola Mattana: „Mehrheitsfähig sind für mich die sogenannten Konfitürenweine ohne Ecken und Kanten. Auch ich musste einige solcher Fruchtbomben ins Sortiment nehmen, aber sie liegen mir nicht am Herzen. Gewöhnungsbedürftige Weine habe ich mehrere im Sortiment, da sie alles andere als banal sind. Leider finden sie wenig Anklang.“

Ueli Schiess: „Wir haben sehr viele Weine im Sortiment, die nicht ‚alle’ ansprechen. Unser Sortiment ist mehr auf Abwechslung und Typizität als auf Stromlinie angelegt. Mehrheitsfähig grenzt an Banalität, unter gewöhnungsbedürftig kann ich mir nichts vorstellen, denn entweder ist es gut, halt mal anders, aber weckt das Interesse, oder dann ist es doch eher abstoßend.“

Führen Sie Lambrusco in Ihrem Angebot? Welchen?

Martin Kössler: „Ja, den Concerto von Medici Ermete.“

René Sorrentino: „Ja, Medici Ermete mit dem traumhaften Triumvirat Assolo, Concerto und Bocciolo.“

Lutz Heimrich: „Ja, ganzjährig, im Sommer bis zu zehn Sorten, Medici Ermete, Cavicchioli und zukünftig auch Ceci und/oder Chiarli.“

Gerd Rindchen: „ Ja, Cavicchioli Basis und Vigna del Cristo.“

Hans-J. Müller: „Ja, Zucchi und Medici Ermete.“

Bodo Bremer: „Ja, den Vigna del Cristo von Cavicchioli.“

Renate Freund: „Ja, Lambrusco Le Viole von Giovanni Dall’Asta in Parma.“

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Lambrusco zu verkaufen?

Martin Kössler: „Das ist fünf oder sechs Jahre her. Weil ihn niemand mehr angeboten hat und wir insbesondere die trockene Version sehr gut fanden. Inzwischen ist er bei uns ein echter Hit im Sommer, und auch ‚seriöse’ Weintrinker fangen an, Spaß daran zu haben.“

René Sorrentino: „Als Italienspezialist ist der Lambrusco ein wichtiger Teil des Sortiments. Natürlich geht es dabei oft um die 1,5 Liter-Flasche. Bei Medici Ermete waren wir jedoch von Anfang an von den verschiedenen Selektionen begeistert und haben diese nach und nach unseren Fachhändlern näher gebracht.“

Lutz Heimrich: „Nach Verkostungen bei Kollegen, Winzern und auch über die jahrelange Arbeit in Merum.“

Gerd Rindchen: „Über den Vigna del Cristo nach einem sensationellen Mittagsmahl mit den Cavicchiolis an den Ufern des Po, wo zu Schinken, Salami, Mortadella, Tortellini in Brodo, Lammkoteletts und Parmigiano ausschließlich dieser Sorbara getrunken wurde. Sensationell!“

Hans-J. Müller: „Durch die Degubox von Merum, welche mich auf Anhieb begeistert hat.“

Bodo Bremer: „Die Qualität hat mich überzeugt. Als Italienspezialist gehört mindestens ein Lambrusco ins Angebot, auch wenn man damit kein Geld verdienen kann. Lambrusco spaltet die Weintrinker, entweder man ist begeistert oder man mag ihn nicht. Der Lambrusco lässt keinen gleichgültig.“

Renate Freund: „Als wir vor 25 Jahren unser Sortiment aufbauten, gehörte Lambrusco einfach dazu.“

Sind Sie mit dem Lambrusco-Geschäft zufrieden?

Martin Kössler: „Ja! Wir kurbeln es auch gut an.“

René Sorrentino: „Sehr. 2010 war ein Superjahr!“

Lutz Heimrich: „Wir erkennen eine große Nachfrage, insbesondere bei trocken ausgebauten Qualitäten, wenngleich auch ‚amabile’ oder ‚dolce’ nach wie vor eine stabile Fangemeinde haben.“

Gerd Rindchen: „Geht so, es muss immer wieder angeschoben werden.“

Hans-J. Müller: „Könnte besser sein.“

Bodo Bremer: „Geht so.“

Renate Freund: „Nur mäßig, läuft so mit, gehört ins Sortiment.“

Was tun Sie, um Ihrer Kundschaft den Lambrusco schmackhaft zu machen?

Martin Kössler: „Wir verkaufen ihn als Spaßwein, mit Erklärungen zur Trinktemperatur, seiner Geschichte und Machart. Lambrusco ist ein Regionalwein, ein Anti-Globalwein also, das alleine reicht doch schon!“

René Sorrentino: „Wir setzen uns seit über zehn Jahren für den Qualitäts-Lambrusco ein und forcieren ihn. Nun wird dieser ‚mehrheitsfähig’, daher braucht man

nur gezielt die richtigen Kunden anzu-sprechen. Außerdem lassen wir diese Produkte probieren, da verstummen alle Zweifler.“

Lutz Heimrich: „Wir listen ihn einfach, beschreiben ihn treffend. Verkostungen lassen sich online ja leider noch nicht durchführen.“

Gerd Rindchen: „Ich erzähle mein eigenes Erlebnis mit dem Lambrusco: Perfekter, sinnlicher sommerlicher Essensbegleiter mit eingebautem Digestif.“

Hans-J. Müller: „Da ich nur den klassischen Onlineshop betreibe, bleibt mir nur das Mailing mit 11+1 Aktionen. Ab und an nutze ich auch das persönliche Telefongespräch, um die Neugierde bei Stammkunden zu wecken.“

Bodo Bremer: „Informieren und probieren lassen.“

Renate Freund: „Wir weisen bei Verkaufsgesprächen immer wieder darauf hin, aber leider springt selten jemand darauf an.“

Gibt es eine typische „Lambrusco-Kundschaft“?

Martin Kössler: „Nein, das ist ja das Irre. Wer ihn einmal entdeckt hat, kauft ihn. Und das ist ein breites Kundenspektrum.“

René Sorrentino: „Ja, aber nur im 1,5 Liter-Segment. Der Qualitäts-Lambrusco-Trinker ist weininteressiert, vorurteilsfrei und hat Spaß am Wein und am Leben.“

Lutz Heimrich: „Ja, sie ist einmal saisonal bedingt wachsend (Terrassenwein), zum anderen gibt es einen harten Kern, der auch in der dunklen Jahreszeit ordert. Wir haben letztes Jahr rund 4500 Flaschen versandt. Das macht 1,5 Prozent unseres Gesamtabsatzes aus.“

Gerd Rindchen: „Nein.“

Hans-J. Müller: „Ja, Merum-Leser.“

Bodo Bremer: „Ja, für die meisten steht Lambrusco immer noch für ein halbsüßes Billiggetränk. Das ist jedoch nicht die Kundschaft des Fachhandels. Wir haben einen kleinen Kundenkreis, der besonders im Sommer den Lambrusco gerne trinkt.“

Renate Freund: „Kann ich nicht erkennen.“

Glauben Sie, dass Lambrusco ein Sommertrend werden könnte?

Martin Kössler: „Ist er bei uns längst.“

René Sorrentino: „Ja. Lambrusco legt schon seit Jahren zu, wir glauben nun an einen wirklichen Durchbruch.“

Lutz Heimrich: „Auf jeden Fall wird er weiter zulegen, so wie auch guter Rosato weiter gewinnt.“

Gerd Rindchen: „Einer unter mehreren, aber sicher kein Megatrend.“

Hans-J. Müller: „Er hat auf alle Fälle das Zeug dazu.“

Bodo Bremer: „Das kann ich mir gut vorstellen. Prosecco hat ja auch mal klein angefangen.“

Renate Freund: „Im Sommer, wenn die Grillsaison anbricht, hat Lambrusco immer eine Chance. Hilfreich wäre, wenn in Zeitschriften mehr über guten Lambrusco zu lesen wäre. Gäbe es einen herausragenden Lambrusco-Winzer, der auch noch ordentlich Wind machen würde, dann könnte das durchaus zu einem Trend werden.“

Wieso folgen wohl nicht mehr Händler Ihrem Beispiel und bieten Lambrusco an?

Martin Kössler: „Weil der Weinhandel weitgehend verblödet ist. Wer sich Parker als Außendienst leistet, hat seinen eigenen Geschmack an der Garderobe abgegeben. So sehen die Sortimente heute auch alle aus. Punkte, Punkte, Punkte, lauter Fremdzitate, nur keine eigene Meinung. Bloß kein Risiko, bloß keine Arbeit. Für Lambrusco muss man was tun… dann läuft er auch. Garantiert.“

René Sorrentino: „Weil es sich am Anfang um reine Überzeugungsarbeit handelt. Man muss eine Gemeinschaft kreieren, die diese Botschaft mit Überzeugung weiterführt.“

Lutz Heimrich: „Unwissenheit? Ignoranz? Sicher auch, weil die kleineren Händler auf Importeursware angewiesen sind. Keiner der großen Importeure bietet wirklich interessante Lambrusco an, wenn sie sie überhaupt listen.“

Gerd Rindchen: „Weil ihnen der Mut oder auch die finanzielle Möglichkeit zur Kür fehlt und sie aus Bequemlichkeit oder Not ausschließlich auf vermeintlich sichere Bänke setzen. Der Weinfachhandel ist kein Ponyhof!“

Hans-J. Müller: „Ich denke, dass der einfach zu verkaufende Wein, der ja überall hochgelobt wird (Gambero Rosso), ein sogenannter Selbstläufer ist und sich dadurch natürlich ohne viel Aufwand verkaufen lässt.“

Bodo Bremer: „Es lohnt sich nicht, da für Qualitäts-Lambrusco der Markt nach wie vor versaut ist. Und es viel Aufklärung braucht… es gibt unabhängig von der Qualität zu viele unterschiedliche Lambrusco (Sorbara, Grasparossa, Salamino) und vor allem mit verschiedener Restsüße. Und das ist zu kompliziert für ein simples Marketing. Der schlechte Ruf des Lambrusco ist sicher nicht unbegründet. Und es ist unsere Aufgabe zu erklären, dass Lambrusco nicht gleich Lambrusco ist. Mir macht es immer wieder Spaß mit einem Gläschen Vigna del Cristo mit alten Lambrusco-Vorurteilen aufzuräumen.“

Renate Freund: „Das weiß ich auch nicht. Ich nehme mal an, dass sie selbst keine Nachfrage danach haben.“

(Auszug Interview, MERUM, Lambrusco im Trend? Interviews mit Weinhändlern zur ProWein 2011)

Weitere Informationen zum Lambrusco-Sommer 2011 finden Sie auch bei Merum, Die Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien.

Quelle: Merum 

Geschrieben in verkostet