Wein & Wissen | Cabernet Sauvignon

Der Cabernet Sauvignon gilt als der König unter den roten Rebsorten. Er nimmt damit den gleichen Platz ein, der dem Chardonnay unter den weißen Sorten zukommt. Es gibt weltweit keine für den Anbau von Rotweintrauben geeignete Weinbauregion, in der nicht auch ein bedeutender Bestand an Cabernet Sauvignon zu finden wäre. So ist die Rebsorte denn auch in Italien weit verbreitet.

Der größte Vorteil des Cabernet Sauvignon ist seine ungebrochene Individualität. Er behält unter nahezu allen Umständen seine Sortencharakteristik und ist unter allen Rotweinen am leichtesten zu identifizieren. Er kann zudem perfekt das Terroir auf seine Weise interpretieren. Darüber hinaus sind es natürlich die Qualität und der Charakter seiner Weine, die ihn zum Topstar der Rotweinsorten gemacht haben. Dabei sind es weniger die oft mit Johannisbeeren verglichenen Früchte oder die als Paprikaduft beschriebenen Aromen, die den Cabernet Sauvignon auf die Spitze des Wein-Olymps erheben. Vielmehr ist es seine Fähigkeit zu langer Flaschenalterung, in der er sich unbeschreiblich komplex, vornehm, voller Würde und unerhört tiefgründig, vielschichtig und nachhaltig präsentiert wie kaum ein anderer Wein.

Ein hoher Gehalt an Farb- und Gerbstoffen sind das Rüstzeug für die Reifung. Der Cabernet Sauvignon spricht auch äußerst gut auf den Ausbau in kleinen Fässern aus neuem Eichenholz an. Er nimmt dann zusätzliche Tannine aus dem Eichenholz auf, die sein Alterungspotenzial noch verbessern. Cabernet Sauvignon gehört zu den dunkelsten Weinen überhaupt. Nur die schwarzen Weine von Cahors und Weine aus der Rebsorte Syrah (Shiraz) haben noch tiefere Farben. Die Weine aus Cabernet Sauvignon haben einen fruchtigen Charme und beweisen jugendliche Frische.

Im Weinberg ist der Cabernet Sauvignon nicht problematischer als die meisten anderen Rebsorten. Er treibt später aus als der Merlot, was ihn unempfindlicher gegen Frühjahrsfröste macht. Die Neigung zum Verrieseln ist nicht sonderlich groß, so dass die wirtschaftlichen Erträge regelmäßig und sicher erzielt werden können. Die Beeren sind klein, dunkelfarbig, äußerst dickschalig und die Kerne reich an Tanninen. In den Anfangsjahren litt bei manchen Weinen die Frucht unter der Härte der Tannine. Inzwischen jedoch sind die Weinerzeuger in der Toskana in der Bereitung erstklassiger, fruchtiger und früh trinkreifer Weine aus Cabernet Sauvignon führend.

Nachdem man in Italien den Cabernet Sauvignon früher lange Zeit nicht sonderlich vom Cabernet Franc unterschied, hat man heute seinen höheren Wert erkannt und pflanzt ihn fein säuberlich für sich allein. Mittlerweile ist die Rebsorte im gesamten Land verbreitet – in Norditalien von Südtirol über Venezien bis in die Nebbiolo- und Barbera-Hochburg Piemont hinein. In der Toskana ist der durchschlagende Erfolg der Super-Toskaner überhaupt erst durch den Verschnitt des traditionellen Sangiovese mit dem Cabernet Sauvignon möglich geworden. Und so mancher Chianti Classico enthält heute zur Stärkung der Konturen einen guten Anteil dieser Edelsorte. Ebenfalls verbreitet ist der Cabernet Sauvignon in Süditalien. Insbesondere auf Sardinien erbringt er herausragende Leistungen, häufig auch im Verschnitt mit der großen sizilianischen Rotweinsorte Nero d’Avola. Sortenrein findet man Cabernet Sauvignon im teuersten Wein Italiens – dem Sassicaia.

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