Nachgetankt – aber lieber kein E10!

Mehr als Wein: Was Lutz Heimrich sonst noch bewegt.

Kein anderes Thema bewegt derzeit mehr als E10. Steckt hinter diesem Namen aber wirklich ein Biosprit, in dem zehn statt fünf Prozent Ethanol enthalten sind? Wer dessen Einführungschaos in den vergangenen Wochen betrachtet, vermutet eher, dass E10 Eklat oder (politischer) Eigensinn hoch 10 heißt. Zum Glück haben die Autofahrer diesem Engagement so richtig eins auf die 12 gegeben.

Denn so kann man mit uns Bürgern nicht umgehen. Da wurde erstens einfach über unsere Köpfe hinweg etwas beschlossen, was uns alle angeht, aber keiner wirklich braucht. Motto: Tank oder stirb! Und zweitens wurden die Kunden immer mehr verunsichert und allein gelassen als aufgeklärt. Fragen über Fragen stehen im Raum: Verträgt mein Auto jetzt E10 oder nicht? Können davon Dichtungen spröde werden oder nicht? Und was für einen ökologischen Vorteil hat genau das neue Superbenzin überhaupt, wenn dafür Regenwälder gerodet werden? Eine neue Informationskampagne an den Tankstellen soll jetzt retten, was noch zu retten ist. So hat es der Benzingipfel von Politik, Wirtschaft und Verbänden nun festgelegt und damit sogar die übliche Reihenfolge bei einer Produkteinführung auf den Kopf gestellt. Erst informieren und dann einführen war gestern. E10 wurde zunächst eingeführt, und jetzt erst werden die Verbraucher aufgeklärt.

Ob der entsprechende Aufwand dazu noch etwas nützt, ist unklar. Und unwahrscheinlich. Denn das Volk der Autofahrer hat schon längst entschieden. Nämlich gegen E10. Und das ist auch gut so. EU-Richtlinie hin oder her. Der angeschlagene Umweltminister Norbert Röttgen (fährt dienstlich übrigens Diesel!) sollte sich vielmehr und ernsthaft überlegen, ob er nach diesem Desaster nicht besser den Guttenberg machen und den Biosprit gleich mitnehmen sollte. Vielleicht heißt das E in E10 ja auch bald Ende der Einführung. Ein schöner Gedanke.

Bildquelle: SUPERIORE.DE GMBH

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