Atomkraftnutzung? Aber sicher!

Mehr als Wein: Was Lutz Heimrich sonst noch bewegt.

Erdbeben, Tsunami, Reaktorkatastrophe – was derzeit in Japan passiert, ist schrecklich und bedarf unseres moralischen Beistands. Über das, was derzeit jedoch in Deutschland geschieht, kann ich dagegen nur den Kopf schütteln. Da wird die Tragik des Vorfalls einfach – von Regierung und Opposition – billiger Politisierung geopfert, um kurz vor Wahlen noch möglichst viele Stimmen abzugreifen. Da zieht Kanzlerin Merkel auf einmal vorübergehend den Stecker von sieben alten Atomkraftwerken, nachdem sie erst vor kurzem die Laufzeit verlängert hat.

Doch ich frage mich: Ist dieses Moratorium, ja vielleicht sogar der baldige komplette deutsche Atomausstieg, wirklich der richtige Weg? Woher droht urplötzlich denn so akute Gefahr, dass geltende Gesetze eben mal und rechtlich bedenklich suspendiert werden müssen? Eigentlich hat sich für uns doch gar nichts geändert. Und machen wir uns nichts vor: Frankreich, China und Co. werden künftig weiter AKW aufrüsten und dann den Strommarkt dominieren. Die atomare Gefahr wäre auch noch da, wenn Deutschland alle seine 17 Atommeiler abschaltet. Schließlich gibt es auf der Welt derzeit 442 AKW, 58 allein in Frankreich. Dort bezieht man ja stolze 77 Prozent seines Stroms aus der Atomkraft.

Und wir? Investieren Milliarden in Alternativen, erhöhen die Produktion der „herkömmlichen“ Kraftwerke, bauen noch mehr „Spargelfelder“ mit Windkraftanlagen und kaufen Strom teuer dazu, wenn die regenerativen Energien – wie ich befürchte – den Wegfall doch nicht kompensieren. Neue Kohlekraftwerke müssten zudem teurer werdende Zertifikate für den Ausstoß des Klimakillers CO2 kaufen, was sich alles auf die Strompreise auswirkt.

Vielmehr sollten wir meiner Meinung nach also überlegen, wie wir in Richtung 100-prozentige Sicherheit der Kernkraftwerke kommen – mit allen Konsequenzen und höchsten neutralen Kontrollinstanzen, inklusive Anschlagsicherheit und Schutz gegen Flugzeugabstürze. Atomkraftnutzung ja, aber sicher! Klar, das kostet auch. Aber was wir jetzt brauchen, sind vor allem ruhige Überlegungen und keine wahlkampfbedingten Schnellschüsse.

Bildquelle: SUPERIORE.DE GMBH/ bautagebuch.superiore.de

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